AvW Information

Die AvW Gruppe AG hat Wertpapiere, die sogenannten „AvW-Genussscheine” emittiert, die engverflochtene AvW-Invest AG war größtenteils als Vermittlerin tätig. Der Auftritt der beiden vorgenannten Gesellschaften erfolgte so, dass es für einen durchschnittlichen Erklärungsempfänger nicht wirklich möglich zu erkennen war, welche Willenserklärungen der einen oder der anderen Gesellschaft zurechenbar sind. Die Gesellschaften waren einfach gemeinsam als AvW bekannt.

Die Raiffeisenbezirksbank Klagenfurt war Hausbank von AvW und Depotbank der AvW- Genussscheininhaber.

Im Oktober 2008 hat AvW die Rücknahme der Genussscheine verweigert und wurde schließlich über beide Gesellschaften mit Beschluss des LG Klagenfurt vom 04.05.2010 der Konkurs eröffnet.

Am 31.01.2011 wurde Dr. Auer-Welsbach zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt.

Wir vertreten über 1.200 AvW-Genussscheininhaber und führ(t)en Verhandlungen bzw Gerichtsverfahren mit bzw gegen die Republik Österreich, die Raiffeisen Bezirksbank Klagenfurt, die Anlegerentschädigung von Wertpapierfirmen GmbH (AeW), die Dun & Bradstreet Information Services GmbH, nunmehr Bisnode D&B Austria GmbH (als Rating- Agentur auftretende Wirtschaftsauskunftei) und die MOORE STEPHENS EHRENBÖCK Wirtschaftsprüfung Steuerberatung GmbH, nunmehr EMSE Consulting GmbH.

1. AeW-Entschädigung

Sämtliche Forderungen aller unserer Mandanten wurden rechtzeitig bei der AeW angemeldet. Nachdem die ersten beiden Instanzen die Ansprüche der Genussscheininhaber abgewiesen haben, konnten wir mit unserer Revision beim OGH eine Aufhebung der Entscheidung und Zurückverweisung an die erste Instanz erwirkten. Dabei hat der OGH aus unserer Sicht klar dargelegt, dass sämtliche Einwände der AeW gegen die Klagsforderung nicht zu Recht bestehen. Wir haben in weiterer Folge im zweiten Rechtsgang ein für die Anleger positives, klagsstattgebendes Urteil erwirkt, das auch vom OLG Wien bestätigt worden ist. Mit Beschluss des OGH vom 21.12.2015 wurde die Revision der beklagten Partei als unzulässig zurückgewiesen, sodass damit gesichert ist, dass die AeW als Entschädigungseinrichtung bis zu einem Betrag von € 20.000,00 einzustehen hat. Wir haben eine außergerichtliche Gesamtlösung verhandelt und die entsprechende AeW-Entschädigung für unsere Mandanten erwirkt.

2. AvW-Konkurse

Sämtliche Forderungen aller unserer Mandanten wurden im jeweiligen Konkurs der AvW Gruppe AG und im Konkurs der AvW Invest AG sowie teilweise im Schuldenregulierungsverfahren Dris. Auer-Welsbach angemeldet; nachdem vorerst sämtliche Forderungen von der Masseverwaltung bestritten wurden, konnten wir schlussendlich aufgrund geführter Musterprozesse die Anerkennung sämtlicher Forderungen in den Insolvenzverfahren der AvW Gruppe AG und der AvW Invest AG erreichen –oberstgerichtlich wurde entschieden, dass die Quote vom jeweils tatsächlich getätigten Investment zzgl Agio (nicht Oktober-Kurs 2008) und einer Verzinsung von 4 % (bis zur Konkurseröffnung) berechnet wird. Mit einer Auszahlung der Konkursquoten ist im ersten Halbjahr 2017 zu rechnen.

3. Republik Österreich

Die Republik Österreich hat gegenüber sämtlichen unserer Mandanten einen umfassenden Verjährungsverzicht abgegeben und haben wir ein Musterverfahren beim LG für ZRS Wien bis zum Obersten Gerichtshof durchgestritten. Obwohl im erstinstanzlich abgeschlossenen Beweisverfahren massive Verfehlungen der FMA / BWA festgestellt worden sind, hat der Oberste Gerichtshof letztendlich im März 2017 judiziert, dass zwischen dem Unterlassen einer Strafanzeige und den Schäden der Anleger kein Rechtswidrigkeitszusammenhang besteht und daher die Republik Österreich nicht haftet. Auch wenn wir die Argumente des Obersten Gerichtshofs nicht teilen, sind diese zu akzeptieren und steht somit fest, dass die Republik Österreich keinen weiteren Schadenersatz in der Causa AvW zu leisten hat.

4. RBB Klagenfurt als Depotbank

Auch die RBB Klagenfurt hat Verjährungsverzichte zum Zeitpunkt der entsprechenden Anspruchsschreiben gegenüber unseren Mandanten abgegeben und haben wir ein Musterverfahren beim LG Klagenfurt bis zum Obersten Gerichtshof durchgestritten. Letztendlich hat dieser unsere Revision mit der Begründung zurückgewiesen, dass mangels Feststellung eines wirtschaftlichen Naheverhältnisses zwischen der RBB Klagenfurt und AvW (durch das Erstgericht) keine Haftung der RBB als Depotbank bestünde; wenn somit bei einem anderen erstinstanzlichen Gericht bzw Sachverständigen der Beweis des wirtschaftlichen Naheverhältnisses gelingen würde, würde im Umkehrschluss jedoch eine Haftung bestehen.

5. Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat sich geweigert, Verjährungsverzichte abzugeben, sodass wir Anfang Oktober 2011 für einen Teil unserer Mandanten Einzelklagen bzw Klagshäufungen (sogenannte Sammelklagen) eingebracht haben. Aufgrund der bisherigen Musterverfahren ist davon auszugehen, dass jene Ansprüche, die sich auf einen Kauf der Genussscheine vor 07.10. 2006 gründen, jedenfalls verjährt sind. Im Hinblick auf alle nach diesem Datum angeschafften Genussscheine ist aufgrund des erstinstanzlichen Urteils vom 18.12.2013, welches vom OGH am 29.09.2015 bestätigt worden ist, grundsätzlich gesichert, dass hier – sofern die Haftpflichtsumme ausreicht – auch die restlichen eingeklagten Ansprüche durchgesetzt werden können.

Wir sind nun bestrebt, mit der Rechtsvertretung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bzw deren Haftpflichtversicherung eine rasche Lösung für unsere Mandanten, die Genussscheine nach dem 07.10.2006 angeschafft haben, zu erzielen.

Stand: März 2017